BERTI MAGARIUS
Internationale Balletttänzerin und Schauspielerin
Von der Tänzerin zur Schauspielerin
Berta Auguste Therese Gärtner wurde am 29. August 1913 in Heringen/Hamm geboren. Schon als Jugendliche entfaltete sie eine leidenschaftliche Begabung für die Bühne: Von 1928 bis 1931 absolvierte sie eine fundierte Ausbildung zur Balletttänzerin und legte damit den Grundstein für eine eindrucksvolle künstlerische Entwicklung. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie 1931 den Rundfunkmoderator und Conférencier Jon Albert von Aspern.
Ab dem 1. Juli 1936 trat Berta Gärtner als Tänzerin öffentlich in Erscheinung und legte sich den Künstlernamen Berti Magarius zu. Dieser Name wurde zum Symbol ihrer sich wandelnden Bühnenpersona: Eine Tänzerin, deren Bewegungen sich zart in dramatische Gesten verwandeln sollten. Ihre frühen Darbietungen zeichneten sich durch eine faszinierende Mischung aus graziler Technik, expressiver Körpersprache und einer emotionalen Tiefe aus, die das Publikum in ihren Bann zog.
Die Tänzerin...
Bereits zu Beginn ihrer Karriere zeigte sie eine feine Sensibilität für theatrale Dramaturgie: Ihre Tänze waren nicht nur akrobatische Höchstleistungen, sondern erzählerische Miniaturen, in denen jede Pose und jeder Blick eine Geschichte erzählte. So entwickelte sich allmählich eine künstlerische Identität, die das Überschwappen von Tanz in Schauspiel hineinbegleitete.
In den frühen 1940er Jahren setzte eine wachsende Wandlung ein: Ihre Bewegungen begannen, von einer klaren Choreografie zu einer vielschichtigen expressiven Sprache überzugehen. Die tänzerische Grundfeste wandelte sich in eine körperliche Zunge, die Gefühle direkt in Mimik, Atem und Stimmfarbe übersetzte. Die Bühnenfiguren, die sie verkörperte, wurden nuancierter, ambivalenter: Mal elegante Erscheinung, mal rätselhafte Selbstreflexion, mal schillernde Ironie. Hinter jeder Performance lag ein feines Spiel mit Schatten, Licht und Timing, das eine neue Tragweite der Darstellung ermöglichte.
... und Schauspielerin
Auf internationalen Bühnen erprobte sie sich in anspruchsvollen Rollen, die sie als Person und Künstlerin tief prägten. Sie navigierte zwischen tänzerischer Präzision und schauspielerischer Innenarbeit: Die Figur auf der Bühne wurde zum Spiegel ihrer eigenen Erfahrung, ihrer Sehnsüchte und Ängste. Aber noch vielmehr wurde sie zur Suche nach Ausdrucksformen jenseits konventioneller Rollen.
So entwickelte Berti Magarius eine bemerkenswerte Kunstform, in der Bewegung, Mimik und Stimme zu einem ineinandergreifenden Ganzen wurden. Die Figur wurde lebendig durch Subtilität statt lautem Effekt, durch Nuancen statt Selbstaufführung. In den unterschiedlichsten Ländern und Ensembles ließ sie diese ästhetische Treibkraft spürbar werden: Der Tanz öffnete sich zur Schauspielkunst, die Schauspielkunst verwob sich mit der körperlichen Sprache des Tanzes, und aus dieser Synergie erwuchs eine neue Bühnenpersönlichkeit.
Ein Moment vor dem Auftritt
Berti Magarius und eine Schauspielkollegin teilen ein Lächeln, das von heiterer Gelassenheit und stiller Vorfreude erzählt. Das Bild trägt den Geist der 1930er Jahre in sich, jener widersprüchlichen Zeit, die zwischen Glanz und Sorge, zwischen Lebenshunger und Existenzängste schwebte. Trotz der Schatten jener Epoche blieb die Sehnsucht nach Leichtigkeit, Musik und dem Augenblick des Spielens ungebrochen – eine Haltung, die sich auch im künstlerischen Schaffen von Berti Magarius widerspiegelt.
Zwischen Bühne und Leben
Dieses Bild zeigt Berti Magarius in den 1930er-Jahren auf einer sommerlichen Wiese, umgeben von Freunden. Mit erhobener Hand und einem heiteren Lächeln wendet sie sich der Kamera zu – ein spontaner, lebendiger Augenblick, eingefangen in einem unbeschwerten Moment.
Als Schauspielerin und Tänzerin war Berti Magarius eine leidenschaftliche und engagierte Künstlerin. Ihre natürliche Ausstrahlung, ihre Lebensfreude und ihr offenes Wesen prägten nicht nur ihre Bühnenrollen, sondern auch das Zusammensein mit den Menschen um sie herum.
Ein stiller Blick aus einer anderen Zeit
Das Porträt zeigt Berti Magarius abseits der Bühne, gefasst in sanftem Licht. Ihr Gesicht ist ruhig, beinahe zeitlos – ein offener Blick, der zugleich Nähe, Geheimnis und eine feine Ernsthaftigkeit sichtbar macht. Ihre Augen scheinen mehr zu wissen, als sie preisgeben – vielleicht von Bühnenlichtern, von Musik, von Bewegung und Rollen, die sie verkörperte. Und doch ist dieses Bild kein Auftritt, sondern ein stilles Innehalten: ein privater Augenblick, fern vom Applaus.
Es ist das Porträt eines jungen Frau, die zwischen Kunst und Leben stand – zart, würdevoll und von einer leisen Stärke getragen.
Bühnenauftritte in Berlin
Berti Magarius zog ab 1940 nach Berlin und fand dort regelmäßige Bühnenauftritte im legendären Haus Vaterland. Von 1928 bis 1943 war das Haus Vaterland ein Vergnügungspalast auf vier Ebenen am Potsdamer Platz, dessen Gastronomie, Shows und Konzerte jährlich rund eine Million Besucher anzog. Es markierte weltweit erstmals die dauerhafte Präsentation eines Vergnügungpark-Konzepts mitten in der Stadt und gilt als Vorläufer der zeitgenössischen Erlebnisgastronomie. Das Haus vermochte gleichzeitig bis zu etwa 8.000 Gästen zu beherbergen.
Zu den Conferenciers gehörte zeitweise Peter Frankenfeld. Darüber hinaus fanden dort populäre Tanzorchester ihren Platz, darunter Kurt Widmanns Ensemble, das auch Swing-Titel spielte—teils verboten, doch stillschweigend geduldet, als Teil einer schillernden, avantgardistischen Bühnenwelt.
Fremdbestimmt
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wandelten sich die Umstände grundlegend. In der Reichstheaterkammer organisiert, rückten ab dem Zweiten Weltkrieg zunehmend fremdbestimmte Engagements in den Vordergrund – etwa Auftritte in Soldatencamps. Offiziell als „Wehrmachts-Tourneen“ deklariert, wurden bekannte Künstler in Kriegsgebiete entsandt, um die Moral der Truppen zu stärken. Darunter zählen u. a. Aufführungen von Berti Magarius in der Zeit von 1941 bis 1944.
Ein Geburtstagsgedicht für Berti Magarius nach Kriegsende...
Ein Gedicht vom 29.08.1945 anlässlich ihres 32. Geburtstages gibt Einblicke in die historischen Umstände und persönlichen Erfahrungen der Zeit:
"Bereits nach deiner Geburt wurde dir eingewiegt,
dass deine Zukunft auf den Brettern liegt,
die für dich die Welt bedeuten sollten,
so wie es geheime Mächte wollten.
So bist du getanzt durch`s Leben,
hast Freude gespendet jedem,
der sich ergötzt an deiner Kunst,
womit du erwarbst der Menschen Gunst.
Gereist bist du auf vielen Wegen,
an einem davon war Thale gelegen.
Hier hast du in Ruhe pausiert,
mal alles vergessen, mal selbst amüsiert"
Eine kurze Begegnung.
Ein stiller Moment. Leise eingefangen. Unsere Augen begegnen sich mit einem vertrauten Lächeln. In diesem Blick liegt mehr als nur Nähe; es ist ein stilles Versprechen, ein unsichtbares Band zwischen Anfang und Abschied.
Denn nur kurz währte diese Begegnung. Bald nach diesem Augenblick ging sie fort, viel zu früh, Und doch ist sie geblieben – nicht greifbar, aber spürbar. Was sie hinterließ, ist mehr als Erinnerung. Es ist ein Erbe, das in mir lebt: die Liebe zur Kunst. Eine unsichtbare Verbindung.
Berti Magarius war meine Großmutter.
Und so lebt sie weiter – in jedem Gedanken, jeder Idee, jedem Schaffen.